„Aufgewachsen bin ich bei meinem Onkel, einem Alkoholiker. Er war jähzornig und aggressiv“, erzählt Alex. „Irgendwann habe ich es nicht mehr bei ihm ausgehalten. So bin ich am Busbahnhof von Medan gelandet.“ Alex zählt zu den Hunderten von Kindern und Jugendlichen, die sich in der drittgrößten Stadt Indonesiens ohne Zuhause durchschlagen. Rund um den Busbahnhof Pinang Baris liegt ihr Revier. Hier verkaufen die Straßenkinder Autofahrern Zigaretten, Zeitungen und Getränke, putzen Passanten die Schuhe oder arbeiten als Straßenmusiker. Manche reinigen wie Alex nachts für ein paar Cent die Stadt- und Überlandbusse, die den Kindern häufig auch als Schlafplatz dienen.
"Haus der Kinderkreativität" bietet Schutz
Mit finanzieller Unterstützung von „Brot für die Welt“ hat die indonesische Nichtregierungsorganisation PKPA unweit des Busbahnhofs das „Haus der Kinderkreativität“ errichtet. Etwa 30 Kinder und Jugendliche kommen täglich hierher, um Musik zu machen, Fußball zu spielen, Pflanzen zu züchten oder am Förderunterricht teilzunehmen. „Wir bieten den Kindern Aktivitäten an, die sie nicht nur kurzfristig fördern, sondern die ihnen langfristig einen Weg zu einem besseren Leben bieten“, erklärt Ahmad Sofian, Direktor von PKPA.
Sprücheklopfer haben keine Chance
Dazu passt auch, dass im Haus der Kinderkreativität Regeln gelten, die von allen beachtet werden müssen. Die Jugendlichen dürfen sich nicht prügeln, keine Schimpfwörter benutzen, keine Drogen nehmen und auch keinen Alkohol trinken. Dafür finden sie hier eine Atmosphäre der Offenheit vor, die es ihnen erlaubt, Schwächen zu zeigen, über Probleme zu reden und gemeinsam eine Lösung zu suchen. „Früher klopften sie nur Sprüche. Heute drücken manche ihre Erfahrungen sogar in Gedichten aus“, erzählt Irwan, der Leiter des Hauses, stolz.
Wie alle Kinder ist auch Alex gerne im Haus der Kinderkreativität. „Das erste Mal bin ich mit einem Bekannten hierher gekommen“, erzählt der 16-Jährige. „Seitdem besuche ich das Haus regelmäßig. Ich habe hier viele neue Freunde gefunden. Ich kenne keinen schöneren Ort.“
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