Die Frauen knüpfen die Taschen. Das ist schon immer so gewesen. Dazu holen sie Bromelien aus dem Wald, dornige Gewächse, die aussehen wie Ananaspflanzen. Aus deren Fasern zwirbeln sie Garn für Taschen mit starken Trägern. Auf Wanderungen durch den Urwald schnüren sich die Frauen mit dem stabilen Tuch ihre Kinder um den Leib. Die Zeit des Wanderns ist aber für die meisten vorbei. Vom Volk der Ayoreo leben nur noch 100 Menschen als Jäger und Sammler. Die übrigen 2.000 Ayoreo sind seit den Sechzigerjahren sesshaft gemacht worden. Sie sind arm und kommen mit der ihnen fremden Lebensart nicht zurecht.
Das Gitter von Campo Loro
„Meine erste Begegnung mit den Weißen war unsere Gefangennahme“, erzählt Dojae (Name von der Redaktion geändert). Die etwa 50 Jahre alte Ayoreo - Frau blickt auf die staubigen Straßen von dem nach amerikanischem Schachbrettmuster angelegten Missionsdorf Campo Loro. Dojae: „Früher lebten wir nur während der Regenzeit fest an einem Ort im Wald“.
Die Zwangsmissionierung
Dojae und ihre Gruppe lebten bis 1986 im Wald. Missionare der US-amerikanischen New Tribe Mission (NTM) entdeckten auf einem Erkundungsflug das Lager und zwangen die Gruppe, ihnen in die „Zivilisation“ zu folgen. Schon bald starben viele der Menschen aus Dojaes Umfeld, da ihr Immunsystem den Infekten der Weißen wenig entgegensetzen konnte.
Zwangsmissionierungen sind heute verboten. Durch die neue Verfassung von 1992 garantiert der Staat den Ureinwohnern das Recht auf ihr angestammtes Land und auf ihre Kultur. Konkrete Handlungen wie Landkauf oder Kontrolle geschützter Gebiete wird jedoch Organisationen wie Iniciativa Amotocodie (IAM), einer Selbsthilfe- und Lobbyorganisation für die Ayoreo, überlassen.
„Die letzten Ayoreo ohne Kontakt zur Außenwelt brauchen Landtitel und eine intakte Umwelt zum Überleben“, sagt Benno Glauser, der IAM im Jahr 2001 gründete. Unterstützt von „Brot für die Welt“, will die Organisation etwa 198.000 Hektar Land kaufen, um das Kerngebiet zu schützen. Außerdem überwacht IAM die letzten unberührten Wälder des Gran Chaco, von den Ayoreo „Amotocodie“ genannt.
Wenn Sie nicht automatisch zu unserer Website weitergeleitet werden, dann klicken Sie bitte [HIER]