"Die meisten Arbeitgeber assoziieren mit Behinderungen "weniger leistungsfähig". Tatsächlich hänge ich mich sogar mehr rein, denn ich will ja zeigen, dass ich es kann" - Michael Seipp bringt das Missverständnis auf den Punkt, dem viele Arbeitgeber erliegen. Der 40-jährige ist seit sieben Jahren verantwortlicher Personalsachbearbeiter bei Wolz Nautic in Gaukönigshofen. Er ist erster Ansprechpartner für annähernd 250 Mitarbeiter und bildet Bürokaufleute aus. Sein Vorgesetzter hält große Stücke auf ihn. Dass der gebürtige Bremer sehbehindert ist, spielt keine Rolle.
Sachbearbeiter, Justizangestellte, Physiotherapeuten, Fräsfacharbeiter, Call-Center-Agents und Hauswirtschafter - die Liste lässt sich beliebig erweitern. Blinde und sehbehinderte Menschen arbeiten heute in mehr Berufen als je zuvor. Dies ermöglicht der technische Fortschritt. Immer bessere Hilfsmittel, unterstützen blinde und sehbehinderte Menschen bei der Arbeit. So machen Scanner mit Texterkennung, Sprachausgabe-Software und Braillezeilen den Computer zum idealen Werkzeug für sie.
"Es ist faszinierend, wie schnell sie trotz Blindheit mit dem Rechner umgeht", sagt Silke Scherfling von der Klinik für Innere Medizin in Dessau über ihre Kollegin Marion Lange. Die 51-jährige blinde Stenotypistin arbeitet in dem Klinikum als medizinische Schreibkraft.
Weder für Michael Seipp noch für Marion Lange ist es selbstverständlich, ihren Beruf ausüben zu können. Beide mussten darum kämpfen, arbeiten zu dürfen. Immer wieder trafen sie auf Vorurteile, waren jahrelang arbeitslos und wurden wegen ihrer Behinderung nicht einmal zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Eine Kurzsichtigkeit, die potentielle Arbeitgeber um engagiertes Personal gebracht hat.
Michael Seipps Vorgesetzte hingegen waren unvoreingenommen - heute profitieren sie von ihrer Offenheit: "Herr Seipp ist ein äußerst wertvoller Mitarbeiter", sagt der kaufmännische Leiter von Wolz Nautic, Jürgen Gnebner, und ergänzt: "Für uns zählt ausschließlich die Arbeitsleistung - und die passt!"
Mit wenigen Hilfsmitteln können blinde und sehbehinderte Menschen die gleichen Leistungen erbringen wie sehende. In der Regel sind sie besonders motiviert, zu zeigen was in ihnen steckt. Mit der gerade gestarteten Kampagne klärt das "Netzwerk für berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen" Arbeitgeber, Personalverantwortliche und die breite Bevölkerung über die Potentiale auf, die blinde und sehbehinderte Mitarbeiter in einen Betrieb einbringen. Wenn man sie lässt. Denn das Kampagnenmotto bringt es auf den Punkt: "Auf Ihre Einstellung kommt es an".
Weitere Informationen unter:
www.ihre-einstellung.de
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