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Kategorie: Technik, Wissenschaft, Forschung

Brennstoffzellenflugzeug Hydrogenius: Strecke München-Flensburg mit einer Tankfüllung

Mit dem Entwurf des zweisitzigen Brennstoffzellenflugzeuges Hydrogenius gewann die Universität Stuttgart den Berblinger-Preis der Stadt Ulm. Hydrogenius, ein Leichtflugzeug mit einer Spannweite von circa 18 Metern und einer Länge von acht Metern, soll seine Antriebsenergie aus der kalten Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff beziehen. Weder Lärm noch Abgase sollen erzeugt werden, und doch soll Hydrogenius mit gebräuchlichen Leichtflugzeugen konkurrieren können.

Ein Team am Institut für Flugzeugbau an der Universität Stuttgart hat nun die Detailkonstruktion des Leichtflugzeuges in Angriff genommen. Prof. Rudolf Voit-Nitschmann, Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart, stellte am 24. Juli das Projekt Hydrogenius in der Reihe „Forschung hinter den Kulissen“ den Medien vor.

Mit Hydrogenius soll die Leistungsfähigkeit der Brennstoffzellentechnik in hoch komplexen Anwendungen demonstriert werden. Voit-Nitschmann: "Dies soll diese Technik als Bordstromversorgung bei Verkehrsflugzeugen voranbringen. Gleichzeitig werden mit den Forschungsarbeiten zu Themen wie Aerodynamik, Bauweise und Materialien die Kompetenzen der beteiligten Wissenschaftler und Studierenden im Flugzeugbau erneut gestärkt.“ Ein kompetenter Partner sei mit dem Institut für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) bereits gefunden.

Unter der Leitung von Prof. Voit-Nitschmann arbeiten die Diplomingenieure Steffen Gleinitz am Antriebsstrang samt Tanksystem und Len Schumann an Flugzeugentwurf und Konstruktion. Hydrogenius bietet viele Themen für Diplom- und Studienarbeiten, auch zahlreiche weitere Studenten bekommen die Gelegenheit, an Gestaltung und Entwicklung des Leichtflugzeuges mitzuarbeiten. Laut Voit-Nitschmann ist auch die Suche nach einem geeigneten Antriebsmotor weit fortgeschritten, so seien mehrere Unternehmen interessiert, das Projekt mit ihrer Antriebstechnik zu unterstützen. Auch die Suche nach einem passenden und verfügbaren Brennstoffzellensystem schreitet voran. Eine diesbezügliche Entscheidung soll in den nächsten Wochen in Kooperation mit dem DLR erfolgen.
Zusätzlich zu den technischen Herausforderungen gilt es, das Problem der Finanzierung zu meistern. Ungefähr die Hälfte des circa 1,6 Millionen Euro betragenden projektierten Budgets entfällt auf Materialkosten und die benötigten technischen Bestandteile.

Die Kosten für ein ähnliches Projekt wären allerdings im gewerblichen Bereich wesentlich höher. Der Gründer der Fischerwerke, Artur Fischer, unterstütze das Projekt Hydrogenius mit 100.000 Euro. Die Universität Stuttgart förderte die zukunftsweisende Arbeit mit 50.000 Euro, weitere 50.000 Euro wurden von einem Stuttgarter Dienstleistungsunternehmen zugesagt. Prof. Voit-Nitschmann hofft, dass weitere Firmen und Privatpersonen bereit sind, in Umweltschutz und Zukunftsforschung zu investieren.

Ein Antrag zur Förderung des Forschungsvorhabens an die Landesregierung sei gestellt sowie eine Projektskizze zur Teilnahme am "Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie" der Bundesregierung sei eingereicht worden.

Mit einer Tankfüllung soll Hydrogenius eine Reichweite von 700 Kilometern bewältigen – das entspricht, bei einem schadstofffreien Wasserstoff-Energieverbrauch, nur einem Liter Benzin pro Insasse auf 100 Kilometern.
"Wenn die Finanzierung gelingt, wird Hydrogenius dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit der Brennstoffzellentechnik und der deutschen Ingenieurkunst unter Beweis zu stellen", so Voit-Nitschmann.

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